UNSICHTBARE ZEUGEN      INVISIBLE WITNESSES       Chile: 1973 - 1990
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Information für die Medien

a) Informationen zu Testigos Invisibles

b) Informationen zur Ausstellung im HAUS am KLEISTPARK in Berlin

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TESTIGOS INVISIBLES - Fotografien des Künstlers DG. Reiß, Hamburg

"Testigos invisibles. Unsichtbare Zeugen: Chile 1973-1990" ist eine Konzeptarbeit des Hamburger Fotokünstlers DG. Reiß, die im Oktober 1997, im März und November 1998 in Santiago de Chile entstand und die die Zeit der Militärdiktatur thematisiert .

Einer Recherche gleich begab sich DG. Reiß an Tatorte des vom Pinochet-Regime geführten Terrors gegen demokratisch denkende und handelnde Frauen, Männer und Jugendliche, gegen Priester, Gewerkschaftler, Intellektuelle, Politiker und andere Oppositionelle.

Entstanden sind zwanzig kontemplativ anmutende Stilleben, die Teile des Straßenpflasters, einer Mauer, Erde, Steine zum Sujet haben. Die grossformatigen Farbfotografien zeigen auf den ersten Blick unspektakuläre Orte in ihrer alltäglichen Banalität. Auf Texttafeln - Teil der Konzeptarbeit - stehen in knappen Worten die Biografien der Opfer und die Umstände der Gewalttaten, wodurch das Wissen um die hier zu Tode gekommenen Menschen und die Anteilnahme an deren Schicksal seinen Ausdruck findet. Thematisiert werden Herrschaft, Gewalt und Erinnern.

Dass Erinnern auch immer Sache der Überlebenden ist, wurde im Entstehungsprozess deutlich.

Hinterbliebene Freunde, Verwandte der Opfer und Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen schufen bereits in der ersten Phase des Projektes, der Recherche, ein lebendiges Mahnmal für die Opfer der Militärdiktatur.
In Erinnerung an eine Begegnung mit dem Magnum-Fotografen Erich Hartmann, New York, und seiner Ausstellung "Stumme Zeugen" gab DG. Reiß seiner Arbeit den Namen "Testigos invisibles. Unsichtbare Zeugen: Chile 1973-1990".

In Santiago de Chile wurde die Ausstellung im Mai 1999 in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und der Friedrich-Ebert-Stiftung unter großer öffentlicher Anteilnahme gezeigt.

Anlässlich der 1. Triennale der Photografie im Kunsthaus Hamburg wurde "Testigos invisibles" im August 1999 einem interessierten Publikum gezeigt.

Nach Halle, Merseburg, Santiago de Chile, Würzburg und Bremen ist die Ausstellung im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Zeitgeschichtliches Forum Leipzig zu sehen, wo sie ab November 2000 im Rahmen des Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm präsentiert wird.

Im Februar 2001 wird die Ausstellung im HAUS AM KLEISTPARK in Berlin zu sehen sein.

Zur Ausstellung erschien das zweisprachige (deutsch/spanisch) Katalogbuch "TESTIGOS INVISIBLES. Unsichtbare Zeugen" mit einem Essay von Kerstin Frank und Texten von Freimut Duve, Dieter Strauss, u.a., im Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 1999, DM 34,-.

Die Eröffnung findet am Donnerstag, den 9. November 2000 um 18.00 Uhr statt. Herr Dr. Rainer Eckert, Leiter des Zeitgeschichtlichen Forums, hält die Begrüßung. T. O. Immisch, Staatliche Galerie Moritzburg, führt in die Ausstellung ein. Der Künstler ist anwesend und steht ihren interessierten Fragen zur Verfügung.

Wir dürfen gleich auf die Begleitveranstaltung zur Ausstellung hinweisen. Am 11. Januar 2001 um 19,00 Uhr wird der Film "Missing - Vermißt" gezeigt. Danach wird es eine Diskussion geben.

Weitere Informationen zur Begleitveranstaltung erhalten Sie über Herrn Dr. Kosthorst, Leiter für Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 0341 - 22 20-0.

Organisation und Ausstellungsmanagement:
Kerstin G. Frank, AGENTUR FÜR KULTURPROJEKTE, Würzburg

Ansprechpartnerin für die Medien: Kerstin G. Frank

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DG. Reiß

TESTIGOS INVISIBLES. Verletzte Zonen. Synthetische Welten.
Fotoarbeiten

Ausstellungs- und Veranstaltungsort: HAUS am KLEISTPARK
Grunewaldstr. 6-7, Berlin, U-Bahn Kleistpark
Eröffnung: Donnerstag, den 8. Februar 2001 um 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 9. Februar bis 25. März 2001
Rahmenprogramm der Ausstellung
Homepage des Künstlers: www.dg-reiss-fotokunst.de

 

 

PRESSE - VorINFORMATION

Internationale Aufmerksamkeit erlangten die Fotoarbeiten von DG Reiß durch Ausstellungen in Basel, Dublin, London, Vaduz und Santiago de Chile, zuletzt durch die Triennale der Photographie in Hamburg 1999.

Die Ausstellung im HAUS am KLEISTPARK in Berlin vom 9.2. bis 25.3.2001 kombiniert erstmals zwei Werkreihen des Hamburger Fotokünstlers unter dem Titel: TESTIGOS INVISIBLES (Unsichtbare Zeugen). Sie entstanden parallel während mehrerer Aufenthalte von 1997 bis 1999 in Chile und vereinen verschiedene Zeitebenen: Den Blick in die Gegenwart und mögliche Zukunft in dem Projekt SYNTHETISCHE WELTEN und den Blick in die Vergangenheit und die Erinnerungs-Gegenwart, d.h. die Zeit der chilenischen Militärdiktatur von 1973 bis1990.

Angeregt durch die Serie "Stumme Zeugen" des 1999 verstorbenen Magnum Fotografen Erich Hartmann realisiert DG Reiß eine Fotorecherche auf der Suche nach Tatorten des vom Pinochet-Regime durchgeführten Terrors gegen Priester, Gewerkschafter, Intellektuelle und Mitarbeiter und Sympathisanten der Allende-Regierung. Bewegt durch Gespräche mit hinterbliebenen Freunden und Verwandten der Opfer ging Reiß zwanzig "Fällen" nach und begab sich an die Orte der Verbrechen. Anders als die strengen schwarz-weiß Bilder von Hartmann oder auch die von Fotografen der jüngeren Generation wie z. B. Mikael Levin, Reinhard Matz, die - viele Jahre nach den Ereignissen - an Orten von unmittelbarer Gewalt in Deutschland und Osteuropa während der NS-Zeit Spurensuche betrieben, wählte DG Reiß für seine Arbeiten Farb-Fotografie. Das " ... muss in diesem Kontext verblüffen, nicht jedoch im Zusammenhang seiner bisherigen künstlerischen Arbeit. ... Seit den 70er Jahren gehören die Kamera und die Farbfotografie zu seinem ästhetischen Ausdrucksmittel, wobei er -technisch gesprochen - die Farben noch mittels einer speziellen, von ihm perfektionierten Masken-technik intensiviert. Böswillig ließe sich von bewusster Farbverschiebung oder Manipulation sprechen. Doch ist das künstlerisches Kalkül. Schließlich geht es nicht um naturalistische Abbilder, sondern um eine Kunstform mit eigenen Regeln, die unsere Sinne ansprechen soll und die in ihrer Abstraktion das Inhaltliche neu formuliert. Konsequenterweise beziehen auch die Chile-Bilder aus den Farben ihre Gestalt, wenn das auch auf den ersten Blick als Widerspruch ... scheinen mag ..." (Enno Kaufhold). So titelte denn auch eine Hamburger Zeitung bei der ersten Präsentation der Serie TESTIGOS INVISIBLES: "Leichenfundort auf Hochglanz", um dann im nachfolgenden Beitrag sensibel nachzufragen. Denn wie Claus Mewes in seinem Katalogbeitrag herausarbeitet, führt diese Farbigkeit zu einer Abstraktion und damit zu einer Distanz, die aber zugleich durch die Wahl des Kamerastandortes (eine leichte Untersicht) wieder aufgehoben wird, da dieser Blickwinkel sowohl die Perspektive des auf dem Boden liegenden Opfers als auch die behutsame Annäherung des Fotografen vermittelt. Trotz der menschenleeren Darstellungen vermittelt sich in den fast durchgängig hochformatigen Bildern ein hierarchisches Oben- und Unten-Verhältnis. Die Nahsicht auf die scheinbar banalen Dinge: Mauerreste, Gitter, verfallenes oder abgeblättertes Material zeugt vom Prozess des allmählichen Verblassens der Erinnerung, wobei das Vergangene durch frische Blumen in einzelnen Fotos immer noch präsent ist und durch die den Bildern beigefügten kurzen, sachlichen Texte benannt wird. Die Provokation, die in diesen Arbeiten steckt, wurde vor allem in Chile selbst verstanden. Als Reiß im Mai 1999 seine Fotos im Goethe-Institut zeigte, war keine Zeitung bereit, das Risiko einzugehen, darüber zu berichten. Noch heute fragen tausende Familienangehörige vergeblich nach dem Verbleib von Verwandten. Die neue Demokratie - ist vorsichtig gesprochen - noch sehr fragil und ihr Verhältnis zur Diktatur und der Person des Diktators noch immer ungeklärt. Viele sind aus dem Exil nicht zurückgekehrt.

Den subjektiven, fragmentarischen Arbeiten von Künstlern wird nach Aleida Assmann zunehmend eine Rolle bei der Entwicklung des kollektiven Gedächtnisses zugewiesen. Nicht selten stehen sie stellvertretend für eine Erinnerungskultur, in der die tradierte Rolle der Geschichtswissenschaften zunehmend in Frage gestellt wird.

Es ist daher kein Zufall, dass die zeitgleich in Frankfurt gezeigte Ausstellung zum "Gedächtnis der Kunst" vom dortigen Historischen Museum initiiert wurde.

Auch die zweite Werkgruppe von DG Reiß SYNTHETISCHE WELTEN, ebenfalls in Chile entstanden, arbeitet mit ungewöhnlichen Perspektiven und Ausschnitten: hochglänzende Details von Telefonzellen und Tankstellen und spiegelnde Häuserfronten, die mit dem Blaugrau des Himmels eins werden. Nur scheinbar sind diese Arbeiten geschichtslos. Kühl und faszinierend zeigt Reiß den Schein dieser Objekte, die ähnlich in allen hochentwickelten Metropolen anzutreffen sind. Diese Arbeiten könnten an vielen Orten der Welt entstanden sein. Ihre "reine" Oberfläche provoziert aber durch die gleichzeitige Technik des Fragmentierens und der starken Untersicht Irritationen und lässt Fragen entstehen: Gibt es so etwas wie ein "Gedächtnis der Dinge", das trotz aller Abstraktion auf ein Unten und Oben und damit auf Herrschaft verweist? Und ist dies eine neue unsentimentale Form des Politischen in der Kunst?

Den hier aufgeworfenen Problemstellungen, die DG. Reiß mit seinen durchgängig großformatigen Arbeiten (ca. 100 x 120 cm) provoziert, werden wir in zwei Podiumsgesprächen am 11. Februar und 18. März 2001 im Rahmen der Ausstellung nachgehen und sie um Fragen nach dem Umgang mit Diktaturen und nach dem Politischen in der aktuellen Kunst erweitern.

Rahmenprogramm (s. a. Komplett-Übersicht):

1.Veranstaltung:
Sonntag, 11. Februar 2001, 11.30 Uhr
Titel: Gespaltene Gesellschaften - Grenzen der Aufarbeitung von Diktaturen
Mit Isidoro Bustos-Valderama, DG Reiß, Petra Schlagenhauf, Wolfgang Wippermann
Moderation:

2. Veranstaltung:
Sonntag, 18. März 2001, 11.30 Uhr
Titel: Die Wiederentdeckung des Politischen - in der Kunst?
Mit Ronald Berg, Sabeth Buchmann (angefr.), Enno Kaufhold, Hans-Ernst Mittig, DG. Reiß
Moderation:
Veranstalter: Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin, Kunstamt
Tel. 030 - 756-6964, Fax: 030- 756-4613

Veranstalter des Rahmenprogramms:
Berliner Bildungswerk der Heinrich-Böll-Stiftung
Kottbusser Damm 72, 10967 Berlin
Tel. +49 - 30 - 61 26 07 4
Fax +49 - 30 - 61 83 01 1

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